Die schwere Krise von AMD
Von Wolfgang Leierseder
Der Intel-Konkurrent AMD steckt mitten in der Krise. Nach dem Milliardenverlust im zweiten Quartal 2008 wechselte der bisherige CEO Hector Ruiz in den Verwaltungsrat. Sein Nachfolger ist Dirk Meyer.
AMD bilanzierte einen Verlust von 1,19 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 1,35 Milliarden Dollar. Operativ habe der Verlust 269 Millionen Dollar betragen, sagte Finanzchef Robert Rivet, doch habe AMD sich entschlossen, das enttäuschende Geschäft mit Prozessoren für mobile Geräte und digitale TV-Technik komplett abzuschreiben und zu verkaufen. Zudem belasteten AMD Restrukturierungskosten. Der Chipanbieter ist gerade dabei, rund zehn Prozent seiner Belegschaft zu entlassen. Aktuell zählt AMD 16.500 Mitarbeiter.
Ob Hector Ruiz allein aus dem Quartalsdebakel die Konsequenzen zog und deshalb Dirk Meyer, seit 1995 bei AMD und von 2001 bis 2006 für das Geschäft mit Prozessoren verantwortlich, den Chefsessel überließ, ist unklar. Ruiz zieht sich nämlich nicht zurück, sondern sondiert als Vorsitzender des Verwaltungsrats die Möglichkeiten einer weniger kapitalintensiven Fertigung.
AMD fehlt das Kapital
Kapital - daran mangelt es AMD. Nicht nur die massiven Schulden, die sich AMD beim 5,4 Milliarden Dollar teuren Kauf von ATI auflud, belasten das Unternehmen, sondern auch die täglichen hohen Kosten in der Fertigung und in der Forschung, die im Kampf mit Intel anfallen.
Insofern erscheint die Strategie, die Dirk Meyer bei seinem Amtsantritt bekannt gab, vage. Er will nämlich in Desktop- und Serverprozessoren investieren, die massenhaft verlangt werden. Dasselbe tut Intel - doch mit weitaus größerem Erfolg und beachtlichem Gewinn.
Analysten bezweifeln, ob es AMD gelingt, in diesen Segmenten so erfolgreich zu agieren, dass es nach sieben roten Quartalen in Folge wieder aus eigenen Mitteln seine laufenden Geschäfte und die ohnehin reduzierte Forschung - 900 Millionen Dollar statt 1,1 Milliarden in diesem Jahr - bezahlen kann. So wies der US-Analyst Craig Berger darauf hin, dass AMD Probleme habe, Kredite zu bekommen.
Analyst Nathan Brookwood folgerte, dass AMD bei seinem traditionellen Geschäft bleiben wird, wobei die Prozessoren um Faktoren wie Energieeffizienz und Verfügbarkeit bereichert werden.
Vielleicht helfen die Kartellverfahren AMD weiter. Dabei geht es darum, Intels Marktmacht zu beschneiden. Dann könnte AMD, das rund 14 Prozent des x86-Marktes bedient - zu wenig, wie es im Verfahren gegen Intel schrieb, um "tragfähige Geschäfte zu machen" - überleben. (wl)
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