02.10.2000 | 00:00 Uhr

So unterscheiden sich DVD-RAM und DVD+RW

Nach Aussagen der Hersteller wartet alle Welt auf DVD-RAM und DVD+RW. Beide sollen den Speichermarkt revolutionieren. Doch wo liegen die Unterschiede und wo sind die Vorteile zu herkömmlichen Medien? Fünf wesentliche Merkmale kennzeichnen die DVD-RAM-Technologie:


-Hohe Kapazität: DVD-RAMs sind in der Version 1.0 wiederbeschreibbare Wechselspeicher mit einer Kapazität von 2,6 GB pro "Single Sided Disc" und 5,2 GB bei "Double Sided Disc". Auf der Comdex 1999 stellte Hitachi das erste DVD-RAM-Laufwerk der Version 2.0 vor. Das Drive ist in der Lage, DVD-RAM-Medien mit einer Speicherkapazität von 4,7 GB pro Seite zu verarbeiten. Das neue Laufwerk sowie die DVD-RAM-Medien mit 4,7 GB sollen bereits ab Januar 2000 verfügbar sein.

-Ausbaufähigkeit: DVD-RAM-Medien mit 15 GB pro Seite sind bereits in der Entwicklung und werden in den Labors getestet. Als Zeitraum der Verfügbarkeit wird das Jahr 2001 genannt. An DVD-RAM-Disks mit 50 GB Kapazität pro Seite wird schon heute gearbeitet, ihre Verfügbarkeit ist für 2005 geplant. Die Abwärtskompatibilität bei Weiterentwicklungen der DVD-RAMs soll garantiert werden.

-Hohe Performance: Kurze Zugriffszeiten und hohe Datentransferraten beim Zugriff auf DVD-ROM/R/RAM sollen von CD-ROM/R/RW und von den DVD-RAM-Drives geboten werden.

-Hohe Zuverlässigkeit: Die Adress-Fehlerrate zeigt einen Wert von weniger als 10-23. Das Überschreiben des DVD-RAM-Mediums ist eine Million Mal wiederholbar.

-Kompatibilität: DVD-RAMs sind kompatibel zu den wesentlichen DVD-Formaten und Multi-Read-Discs, einschließlich DVD-Video, DVD-Audio, DVD-ROM und DVD-R, CD-ROM, CD-Audio, CD-R und CD-RW. Die nächste Generation der DVD-ROM-Laufwerke wird zudem DVD-RAM Medien lesen können.

Alternative Techniken

Innerhalb der DVD Familie werden zur Zeit drei Alternativen zum DVD-RAM-Standard gehandelt. Dies sind:

-DVD+RW (Phase Change Re-writable), favorisiert unter anderem von Sony, Philips und HP

-DVD-RW (nicht identisch mit DVD+RW), favorisiert von Pioneer.4Andere: DVD/RW (bislang keine näheren Infos verfügbar); Multimedia Video File (MMVF) von NEC mit angekündigten 5,2 GB Kapazität als Gegenreaktion auf DVD+RW und Advanced Magneto-Optical (ASMO) beziehungsweise MO-7. MMVF und MO-7 befinden sich noch in der Konzeptionsphase. Es wurden dazu - obwohl bereits 1997 angekündigt - bis heute keine Geräte vorgestellt.

-DVD-R als "Write Once Medium" wird zwar fälschlicherweise immer wieder als Konkurrent von DVD-RAM bezeichnet, doch zielt die DVD-R mit der Archivierung von Daten und dem DVD-Mastering auf völlig andere Einsatzbereiche ab. DVD-RAM und DVD-R sind sich ergänzende und nicht im Wettbewerb zueinander stehende Lösungen.

Vergleich der DVD Formate

Obwohl wiederbeschreibbare DVDAlternativen zu DVD-RAM derzeit nicht gegeben sind, ist ein Vergleich der entsprechenden DVD-Formate hilfreich. Fest steht, dass die DVD-RAM gegenüber den wiederbeschreibbaren Konkurrenten die bessere Schreib-/Lesezuverlässigkeit bietet.

DVD-RAM definiert eine Spiralspur mit einem "Groove" (Graben/Vertiefung). Die Daten auf dem DVD-RAM Medium werden sowohl im Groove als auch im "Land" (eine Erhöhung im Bereich zwischen den Grooves) gespeichert. Bei DVD-RAM werden die Daten - ähnlich wie bei MO-Laufwerken - mit Hilfe von Hitze (Laser) und einem zugleich angelegten Magnetfeld auf das Medium geschrieben. Dieser Vorgang lässt sich etwa eine Million Mal wiederholen.

Auf einem DVD+RW-Medium werden Daten ebenfalls in einer Spiralspur geschrieben, allerdings nur in den Grooves. Dadurch steht weniger Platz zur Verfügung. Außerdem sind die sogenannten Pitches (Informationen) auf der DVD+RW-Disk kleiner als auf einer DVD-RAM, was es dem Lesekopf der Laufwerks erschwert, während des Schreibvorgangs die Spur zu halten. Geschrieben und gelesen werden die Daten auch beim DVD+RW mit einem Laser. Allerdings lassen sich bei DVD+RWs maximal nur 1.000 Schreib-Lösch-Zyklen realisieren.

Praktischer Bedienkomfort

Das Formatieren einer DVD-RAM-Disk dauert nur etwa zehn Sekunden, während im Vergleich dazu die Formatierung einer CD+RW rund eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Der entscheidende Vorteil bei DVD-RAM aber ist, dass durch die Entwicklung des UDF-Standards (Universal Disk Format) heute auf diese Medien in gleicher Weise Schreib- und Lesezugriffe möglich sind wie auf jede herkömmliche Festplatte. Das UDF-Dateiformat basiert auf dem internationalen Standard ISO/IEC 13346, der gezielt für das Arbeiten mit DVD-Medien entwickelt wurde.

UDF erlaubt, beliebig viele Dateien und einzelne Partitionen von einer Größe bis zu 2 GB auf einem DVD-RAM-Medium zu speichern, und gestattet auch die Vergabe langer Dateinamen. Das UDF-Bridge-Format ermöglicht es darüber hinaus, auf einer DVD weitere Dateisysteme wie beispielsweise den ISO-9660-Standard bestimmter CD-Formate unterzubringen.

Eine Alternative zu UDF ist für die Windows-Welt die FAT-Formatierung des DVD-RAM-Mediums. FAT-formatierte DVD-RAMs (2,6 GB Bruttospeicher) können eine Netto-Speicherkapazität von bis zu 2,3 GB Bruttospeicher bieten.

DVD-R: Spezialist für das Archivieren

Der klassische Anwendungsfall für DVD-R ist die Langzeitdatenarchivierung und das Prototyping. Der ursprüngliche DVD-R-Standard, verabschiedet im September 1997, galt für Disks mit einer Kapazität von 3,95 GB. Heute hat man bei den einmal beschreibbaren DVD-Rs eine Speicherleistung von 4,7 GB erreicht, was dem Stand der "Single-Sided"-DVD-ROM entspricht. Großer Vorteil der DVD-R ist die Kompatibilität zu anderen DVD-Medien und -Laufwerken.

Eine DVD-R arbeitet mit einer Aufzeichnungsschicht, die aus organischer Farbe (Dye) besteht. Diese für den Laser zunächst durchlässige Aufzeichnungsschicht befindet sich in der Mitte der Disk, also zwischen den beiden zusammengefügten Halb-Disks, direkt vor einer Reflexionsschicht. Speziell für die DVD-R wurde ein neuer Farbstoff entwickelt, der für einen kurzwelligeren roten Laser (635/650 nm) geeignet ist. Beim Schreibvorgang wird die Aufzeichnungsschicht an winzig kleinen Stellen stark erhitzt. An den erhitzten Punkten entstehen Markierungen, die das Licht des Ausleselasers absorbieren. Auf diese Weise wird innerhalb der vorgeprägten Spur auf der DVD-R eine Struktur von reflektierenden und nicht reflektierenden Stellen erzeugt, die den "Pits" und "Lands" auf gepressten DVDs entspricht. (jh)

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