Zoff beim IT-Dienstleister A&O: "Die Stimmung ist bodenlos"
Von Wolfgang Leierseder
Bei der A&O GmbH, gegründet 2003 in Potsdam, war es noch nie ruhig. Das liegt einmal in der Natur der Geschäfte, die die GmbH betreibt: zumeist dünnmargige "On fields"-Services für Unternehmens-IT.
Doch seit sich A&O, gerade 200 Mann hoch, im März 2005 die Service-Mannschaft Sinitec GmbH, 1.100 Mitarbeiter zählend, von Siemens gnadenlos (gemäß § 613a BGB; Betriebsübergang) abgestoßen, ins Haus geholt und in der itec GmbH zusammengefasst hat, brennt es in Potsdam lichterloh.
Ein braves mittelständisches Unternehmen, beschäftigt mit Reparatur- und Wartungsdiensten für Server, PCs Drucker etc., versucht den Brocken Sinitec zu verdauen. Die Mannschaft der Sinitec wartet unter anderem Kassensysteme und betreut Rechenzentren.
Abschiebung in Niedriglohnsparte
Bis heute haben weder Siemens noch die A&O die finanziellen Modalitäten des Verkaufs im März 2005 offengelegt. Sicher scheint, dass sich Siemens den Verkauf der defizitären Abteilung Einiges kosten ließ, und es steht fest, dass im Juni 2005 die IG Metall und A&0, vertreten durch Geschäftsführer Michael Müller, einen Sanierungstarifvertrag für die letztendlich von A&O übernommenen 800 Sinitecler abgeschlossen haben.
Dieser Vertrag, gültig bis 31.3 2008, schließt sich dem noch mit Siemens ausgehandelten Übernahmevertrag an; und es steht in ihm zum Beispiel, dass alle itec-Mitarbeiter ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld der A&O stunden und 38,5 statt 36,5 Stunden pro Woche arbeiten. Dafür können sie bis März 2008 nicht gekündigt werden.
Und es steht in diesem Vertrag auch, dass die IG Metall testierte Jahresbilanzen der itec GmbH erhält und dass die A&O den vorübergehende Gehaltsverzicht dafür nutzen solle, neue Wachstumsfelder zu erschließen.
Jetzt soll all das nach den Plänen Müllers Makulatur sein. Denn er möchte 560 Sinitec-ler in die als Niedriglohnsparte geltende neue Tochterfirma A&O 4-tec GmbH verschieben. Dort würden sie nach Informationen von ChannelPartner nochmal bis zu 30 Prozent weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten.
Geht es nach Müller, werden die Mitarbeiter der 4-tec GmbH neu eingestuft. Ihre "Skills" (Müller) sollen neu bewertet werden. Dazu sagte der Geschäftsführer gegenüber ChannelPartner, bei manchen würde das zu einem höheren Lohn führen, bei manchen zu weniger und bei vielen zu gleich hohem Lohn. "Sie glauben doch nicht, dass ich Fachkräfte einfach runterstufe", sagte Müller. Das Vorhaben selbst kommentierte er mit "wir führen eine niedrigmargige Sparte einer erfolgreichen Mutter zu".
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