25.07.2007 | 13:45 Uhr

Intel vs. AMD: EU-Kommission wird aktiv


Im jahrelangen Streit zwischen den beiden Chipherstellern Intel und Advanced Micro Systems (AMD) hat die EU-Kommission nun einen weiteren Schritt gesetzt. Wie heute, Freitag, offiziell von der Kommission bestätig wurde, wurde gestern die Einleitung eines formalen Verfahrens gegen Intel beschlossen. Dieses wird mit dem Verdacht auf illegale Geschäftspraktiken im Wettbewerb mit AMD begründet. Intel habe versucht, mit Rabatten, Nachlässen und Marketinginitiativen seine beherrschenden Stellung am Mikroprozessoren-Markt auszunutzen und AMD vom Markt für x86-Prozessoren zu verdrängen, so der Vorwurf der EU-Kommission.


Intel hat nun zehn Wochen Zeit, um auf das von der Kommission ausgesandte "Statement of Objections" zu reagieren. Im Rahmen eines Hearings hat der Chiphersteller zusätzlich das Recht, vor der Kommission Stellung zu nehmen. Diese wirft Intel insgesamt drei Arten von wettbewerbsverzerrenden Geschäftspraktiken vor. So habe das Unternehmen Originalherstellern von Computern (Original Euqipment Manufacturer, OEM) Rabatte in Aussicht gestellt, wenn diese den gesamten bzw. den Großteil ihres Prozessorbedarfs durch Produkte von Intel decken. Darüber hinaus habe Intel mehrmals Zahlungen an OEMs geleistet, um diese davon abzuhalten, eine Produktlinie mit AMD-Prozessoren auf den Markt zu bringen oder den Markteintritt zu verzögern. Der dritte Vorwurf betrifft unterdurchschnittlich niedrige Preise für Mikroprozessoren, die Intel im Wettbewerb mit AMD strategisch wichtigen Kunden angeboten habe.

Der nun gegen Intel geäußerte Verdacht auf Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung beschäftigt sowohl Konkurrent AMD als auch die EU-Kommission bereits seit mehreren Jahren. AMD reichte schon im Jahr 2000 eine Beschwerde bei der Kommission ein. Der langwierige Prozess weise auf die Komplexität des Falles hin, schreibt das Wall Street Journal. Es herrsche Unstimmigkeit über die Auslegung von Rabatten und anderen Marketinginitiativen. Bereits Ende Oktober 2006 wurde ein Kartellverfahren von Seiten der EU angekündigt, nachdem die EU-Kommission ein Jahr zuvor mehrere europäische Büros des Chipherstellers durchsuchen lies. Laut dem Marktforscher Mercury Research lag der Marktanteil von Intel Ende April 2007 bei rund 80,5 Prozent des weltweiten Speicherchip-Marktes, AMD hält 18,7 Prozent.

Intel verteidigte sich dagegen bislang damit, dass Nachlässe nicht zuletzt zur Senkung der Chippreise und damit zur Verringerung der Computerpreise für Endkunden führten. Die US-Handelsbehörde befasste sich bereits in den 1990er-Jahren mit Intels Marktaktivitäten. David Balto, ehemaliger Policy Director der FTC, hält Intels Argument der Preissenkung für Kunden für fragwürdig. Auf lange Sicht würde das Unternehmen AMD davon abhalten, seine Marktstellung zu verbessern und damit Wettbewerb anzutreiben, was jedoch den Kunden zugute kommen würde, wird Balto vom Wall Street Journal zitiert. (pte)


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