06.07.2007 | 10:50 Uhr

Hermstedt AG ist insolvent

Bereits vor Wochen machten in der deutschen Mac-Szene Gerüchte über Liquiditätsprobleme bei Hermstedt die Runde. Doch dass es so schwarz für das Mannheimer IT-Traditionsunternehmen aussieht, wollten Marktkenner nicht so recht glauben. Gegenüber dem Fachmagazin macnews.de versicherte Anette Hermstedt am 15 Mai noch, dass die Firma keine wesentlichen Finanzprobleme habe. Zwar sei das Geschäft mit Kommunikationsprodukten spürbar abgeflaut, aber mit dem HiFi-Multimedia-Server "Hifidelio" habe sich Hermstedt gut in einem Nischenmarkt positioniert. Diese Annahme der Firmenchefin selbst entsprach nicht der Wahrheit, denn bereits am 26. April hatte das Amtsgericht Mannheim Sicherungsmaßnahmen verfügt und die Firmenkonten eingefroren.


Am 1. Juli hat das Gericht wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung dann das Insolvenzverfahren eröffnet. Offenbar ist bei Hermstedt nicht mehr viel zu holen. Insolvenzverwalter Karl-Heinrich Lorenz hat Masseunzulässigkeit angezeigt: Damit erklärt der Insolvenzverwalter, dass offene Verbindlichkeiten des Unternehmens nur noch zum Teil befriedigt werden können. Mangels Masse könnte das gesamte Verfahren sogar eingestellt werden, die Gläubigerversammlung soll darüber am 24. September gehört werden.

In den ertragsstarken Jahren hatte die Firma ihre Angestellten am Unternehmen beteiligt, diese Anteile dürften nun so gut wie wertlos sein. Heute ist ebenfalls das Insolvenzverfahren des DTP-Software-Anbieters Ragtime GmbH bekannt geworden, hier ist aber die Fortführung des Geschäftsbetriebs durch ein Management-Buy-out und die Gründung von Auffanggesellschaften offenbar gesichert.

Mittlerweile hat das britische Unternehmen Pro2col erklärt, es werde den Vertrieb und die Entwicklung der Stingray- und Leonardo-Produkte übernehmen. Pro2col hat nach eigenen Angaben bisher die Stingray- und Leonardo-Produkte von Hermstedt in Großbritannien vertrieben. Nach der Pleite von Hermstedt hat Pro2col ein deutsches Tochterunternehmen gegründet, das die Produkte weiter entwickeln und vertreiben soll.

"Pro2col garantiert Kontinuität in der Fertigung und den hohen Supportlevel von StingRay und den Leonardo-Produkten", sagte Pro2col-Geschäftsführer James Lewis. Der deutsche Ableger von Pro2col will im Laufe des Juli 2007 in neuen Räumlichkeiten die Geschäftstätigkeiten aufnehmen. Das Unternehmen nennt den bisherigen Vorstand der Hermstedt AG, Annette Hermstedt, als Kontaktperson für Vertriebspartner. (Macwelt/ wl)


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