Cisco-Intimus Charles Giancarlo wird Avaya-CEO
Vergangene Woche, am 9. Juni lies VoIP-Anbieter Avaya in einer Presseerklärung wissen, dass der bisherige CEO Lou D'Ambrosio aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten aufgegeben hat und dass Charles Giancarlo solange an seiner Stelle als CEO fungieren werde, bis ein Nachfolger gefunden wäre.
Nun müsste diese Meldung nicht weiter interesseieren, hätte der neue Präsident nicht von 1994 bis Ende 2007 bei Cisco in wesentlichen Funktionen gearbeitet. Zuletzt lautete sein Titel "Executive Vice President and Chief Development Officer of Cisco"; zudem führte er die Retail-Tochter Linksys als Präsident an.
Genau genommen war Giancarlo also verantwortlich für Cisco`s Produktentwicklung und damit auch für rund 20.000 Mitarbeiter des Netzwerkriesens. Des Weiteren ebenso für das Management. Er berichtete direkt an Cisco´s Präsident John Chambers. Davor war er als "Vice President of Business Development" verantwortlich für die Dutzende Unternehmenskäufe, die Cisco nicht zuletzt groß machten.
Als der Manager 1994 von dem gerade gekauften Etherent-Switching-Pionier Kalpana zu Cisco kam, setzte der Netzwerker rund 1,2 Milliarden Dollar um. Heute bilanziert das Unternehmen knapp 35 Milliarden Dollar Umsatz, verdient rund 7,3 Milliarden Dollar und beschäftigt rund 65.000 Mitarbeiter.
Mit anderen Worten: Avaya hat jetzt mit dem Manager einen Präsidenten, der sich auf das Intimste mit den Strategien des Netzwerkers und VoIP-Rivalen auskennt, der maßgeblich dessen Produktstrategien mitgeformt hat und deshalb weiß, wohin Cisco mittelfristig steuern wird, und der die neuen Marktstrategien mitdefiniert hat, die Cisco anwendet oder gerade dabei ist, für sich zu gewinnen.
Ob Avaya, das derzeit rund 19.000 Mitarbeiter zählt und seit Oktober 2007 im Besitz der zwei Investoren Silver Lake Partners und Texas Pacific Group ist, mit Cisco ernsthaft konkurrieren kann, ist Marktbeobachtern zufolge offen. Doch dass es mit dem neuen CEO einen Mann bekommen hat, der den Konkurrenten aus dem ff kennt und deshalb gezielt dessen Schwächen und Stärken nutzen kann, ist offensichtlich.
Sein Einfluss bei Avaya wird also kaum begrenzt sein; Eigner Silver Lake, bei dem Giancarlo Anfang 2008 angeheuert hatte, weiß, wen er bei Avaya platziert hat. Beruhigend ist das für Cisco nicht. (wl)
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