Alterspyramide verlangt neue Konzepte
13.10.2008 | 10:00 Uhr

45 Plus: Führung erfahrener Mitarbeiter

In Deutschland herrscht akuter Fachkräftemangel auf allen Ebenen. Dies hat mehrere Ursachen. Einer davon ist die sich verändernde Altersstruktur in der Gesellschaft und damit natürlich auch in den Unternehmen. Während im Jugendwahn vergangener Jahrzehnte viele qualifizierte Mitarbeiter frühzeitig in die Rente komplementiert wurden, erkennen heute die Unternehmensplaner diese wertvolle Ressource neu. Auch der Staat gibt vor: Die Lebensarbeitszeit verlängert sich. Zunehmend führen nun oftmals jüngere Manager ältere Mitarbeiter und Führungskräfte in ihren Arbeitsteams. Doch wie geht das? Gibt es Unterschiede in der Führungsarbeit und welche Konzepte und Methoden taugen?


Führungsarbeit: Alterspyramide

Das Führen erfahrener und älterer Mitarbeiter bringt spannende Herausforderungen für die Manager mit sich. Herkömmliche Führungs- und Anreizsysteme oder Motivatoren, wie beständig höhere Entlohnung oder Karriereversprechen, greifen hier zunehmend weniger. Auch Standards, wie beispielsweise das international genutzte situative Führen, berücksichtigen viel zu wenig den Altersaspekt. Der Begriff der Reife bezieht sich dabei auf die Erfahrung im jeweiligen Job, Fertigkeiten, Übersicht, Eigenmotivation. Doch auch das Lebensalter an sich birgt eine ganz eigene Dynamik, hat Einfluss auf die Arbeit und das Verhalten von Menschen. Es bedarf neuer, oder doch zumindest erweiterter Konzepte und Ideen im Führungshandwerk, Menschen bis zum Ende ihrer Lebensarbeitszeit erfolgreich zu begleiten. Und diese gibt es.

Chancen und Empfindlichkeiten

Die Rahmenbedingungen für die beschriebene Situation bieten ebenso viele Chancen wie Empfindlichkeiten und Gelegenheiten für Missverständnisse.

Die Chancen bestehen ganz klar darin, erfahrene, ältere Mitarbeiter mit ihren jeweiligen Fähigkeiten sehr viel besser in den Arbeitsprozess zu integrieren, sie zu motivieren, ihre ausgereiften Kompetenzen und reichhaltigen Erfahrungen zu für das Unternehmen zu nutzen. Doch prallen oft zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein können. Teilweise werden schablonenhafte Klischees gepflegt und als Argumentation gegen die jeweils andere Seite verwendet, anstelle deren besonderen Stärken als komplettierende Ergänzung wahrzunehmen. Schnell sind falsche oder überzogene Erwartungen da, Enttäuschung stellt sich ein und die Beteiligten ziehen sich in die von eben diesen Klischees geschützten Schneckenhäuser zurück. "Ist halt immer so", "Ich hatte nichts anderes erwartet", "Jung, dynamisch und nass hinter den Ohren", "Alt, grau und hat nix mehr drauf!" - die Liste ist beliebig lang.

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